Siemens-Workshop zur Lokomotiven-Produktion in München
Mit innovativen Fahrzeugkonzepten die Zukunft mitgestalten
"Siemens Transportation Systems ist auf die strukturellen Änderungen im Bahnbereich gut vorbereitet". Dies erklärte der für die Lokomotiven zuständige Geschäftsgebietsleiter Dr. Volker Kefer anlässlich eines Workshops zum Thema "Lokomotiven-Produktion bei Siemens" in München. Derzeit sei der Markt von drei wesentlichen Trends geprägt: der freie Netzzugang innerhalb einiger Länder seit etwa zehn Jahren, die Liberalisierung des Frachtverkehrs innerhalb der Europäischen Union und die unterschiedlich weit voran geschrittenen Privatisierungsbestrebungen in einigen Ländern. Kefer erwartet, dass diese Trends in den nächsten fünf bis zehn Jahren das System Bahn in Europa deutlich verändern werden.
Insbesondere werde der freie Netzzugang zu einer größeren Zahl von privaten Bahnbetreibern führen, so Kefer. Derzeit liege deren Anteil am Marktvolumen noch unter zehn Prozent. Speziell im Güterbereich könne aber von einem Anstieg des Marktanteils auf über 15 Prozent bis zum Jahr 2007 erwartete werden.
Hinsichtlich des ab 2006 angestrebten diskriminierungsfreien Schienengüterverkehrs in Europa stellte der Siemens-Manager die fehlende Abstimmung zwischen den jeweiligen nationalen Zulassungsbehörden als wesentliches Hemmnis heraus. Heute müsse noch für jedes Land, in dem eine Lokomotive eingesetzt werden soll, ein eigene Zulassung beantragt werden, was sich unter Umständen über Jahre hinweg erstrecken kann, erklärte Kefer. Ziel müsse es daher sein, die Zulassungskriterien europaweit zu harmonisieren. Dies sei um so notwendiger, da als Folge von Liberalisierung und des durch die Privatisierung gestiegenen Wettbewerbsdrucks der Ausbau des grenzüberschreitenden Verkehrs immer weiter zunehme. Die Rolle der Bahnindustrie in diesem Zusammenhang sei es, so Kefer, Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen, die zum Beispiel hinsichtlich Zugsicherung, Energieversorgung und Lichtraumprofil international einsetzbar sind. Siemens habe mit der Entwicklung der Euro-sprinter-Familie bei den elektrischen Lokomotiven und der Eurorunner-Lokomotivfamilie im dieselelektrischen Bereich diese Voraussetzungen erfüllt. Bekannteste Vertreter seien die Viersystemlokomotive BR 189 für den Einsatz in 16 europäischen Ländern und die Taurus-Lokomotiven RH 1016/1116 für die ÖBB.
Neuestes Mitglied der Eurosprinter-Familie von Siemens ist die Mehrsystemlokomotive Rh 1216 für die Österreichischen Bundesbahnen. Sie ist eine Kombination von wesentlichen Komponenten der BR 189 und der Taurus-Lokomotiven, stellte Jörg Schurig, der bei TS für diese Neuentwicklung zuständige Projektleiter hervor. Von der BR 189 kommt der Maschinenraum, vom Taurus die Frontends und die Drehgestelle. Das Basismodell der Rh 1216 ist als Dreisystemlokomotive für den Einsatz in Österreich, Deutschland, Italien und Slowenien konzipiert. Optionale Länderpakete ermöglichen aber auch den Einsatz in Ungarn, Rumänien, Polen, den Benelux-Staaten, in Frankreich und in der Schweiz.
Mit der Gründung der Siemens Dispolok GmbH hat Siemens ebenfalls auf die aktuellen Markttrends reagiert, erläuterte Dr. Walter Breinl, Geschäftsführer der hunderzprozentigen Siemens-Tochter. Privatisierung und Wettbewerbsdruck erfordern die Erwirtschaftung höherer Renditen bzw. die Verringerung des eingesetzten Kapitals. Die Möglichkeit bei der Dispolok GmbH Lokomotiven für mehrere Tage bis zu mehreren Jahren mit anschließender Kaufoption zu mieten stellt eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, das eingesetzte Kapital zu verringern und gleichzeitig modernste Lokomotiven einsetzen zu können. Die Verträge würden dabei nicht nur die Miete, sondern auch die Instandhaltung und die Versicherung umfassen, so Breinl. Hinzu komme noch eine 24-Stunden-Hotline, die Schulung der Lokführer und die Gestellung von Ersatzlokomotiven.
Dispolok-Kunden seien sowohl große Bahngesellschaften, die durch die Anmietung Spitzlasten oder Engpässe bei Neubeschaffungen abdecken wollten. Für neue Betreiber stelle die Anmietung hingegen eine sehr kostengünstige und bequeme Alternative zum Kauf da, berichtete Breinl.
Die hohe Qualität in der Fertigung ist ein wesentlicher Faktor für den Erfolg unserer Lokomotiven, betonte Robert Kratzer, der Leiter des TS-Lokomotivenwerkes in München. Grundlage für den erreichten hohen Standard sei die Konzentration auf bestimmte Kernkompetenzen.
Im Werk spezialisiere man sich auf die Fertigung von Hauptbaugruppen wie Untergestell, Seitenwand, Führerhaus, Seitenlangträger und Kopfstück sowie Roberterschweißbaugrup-pen. Kernkompetenzen seien zudem der Lokkasten-Rohbau, das Lackieren, die Systemmontage etwa von Bremsgerüst, Führertisch, Kabelkanal, Frontend sowie die Endmontage und die Inbetriebsetzung.
Kratzer ging auch auf die Historie des Werkes ein, das ehemals zur Krauss-Maffei-Verkehrstechnik gehörte, an der sich Siemens im Jahr 1990 mit 25 Prozent beteiligt hat. 1999 wurde die Beteiligung auf 75 Prozent aufgestockt und die Siemens-Kraus-Maffei-Lokomotiven GmbH gebildet. 2001 wurden die restlichen Anteile von Siemens übernommen und das Werk in den Siemens-Bereich Transportation Systems eingegliedert.
Der Siemens-Bereich Transportation Systems (TS) zählt zu den international führenden Anbietern der Bahnindustrie. Als Gesamtanbieter und Systemintegrator vereint TS heute in seinen Segmenten Automation & Power, Rolling Stock, Turnkey Systems und Integrated Services sämtliche Kompetenzen von Betriebsführungssystemen über die Bahnstromversorgung bis hin zu Fahrzeugen für den Nah-, Regional- und Fernverkehr sowie umfassende Erfahrungen im Projektmanagement und zukunftsorientierte Servicekonzepte. Im Geschäftsjahr 2003 (30. September) erzielte TS mit weltweit 17.700 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 4,7 Mrd. EUR. Weitere Informationen zu TS im Internet unter www.siemens.com/transportation
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